Sigma BC 2006 – Ein Erfahrungsbericht
Im Spätjahr 2006 wurde von Sigma ein neuer Radcomputer beworben, der fast alle relevanten Informationen die beim Radlen interessieren und übersichtliche Bedienbarkeit vereinbaren sollte. Die ersten Infos dazu waren sehr vielversprechend, der Verkaufsstart wurde für Ende 2006 angekündigt.
Da ich zu dem Zeitpunkt sowieso schon auf der Suche nach einem neuen Tacho war, entschied ich mich darauf zu warten und dieses neue Modell zu bestellen. Der Verkaufsstart wurde immer wieder verschoben, geliefert wurde das Teil dann schließlich irgendwann Ende April/Anfang Mai 2007. Anfangs war ich auch begeistert und benutze das Gerät am Rennrad und am Mountainbike, ein manuelle Umstellung auf das jeweilige Rad entfällt, der Tacho merkt am Sender, für welches Rad er gerade verwendet wird.
Wer schon mal mit einem Sigma am Rad hatte, kennt sicher die einfache Menüführung. Die Bedienungsanleitung konnte man eigentlich getrost links liegen lassen. Etwas stutzig machte mich allerdings der Maximalabstand zwischen Sender und Empfänger, von gerade mal 45cm. An Meinem Rennrad war das gerade so zu schaffen, am MTB bauartbedingt ein Ding der Unmöglichkeit. Es ging aber auch nicht nur mir so, viele Käufer klagten in diversen Foren über diesen zu geringen vorgeschriebenen Abstand, der in der praxis aber auch überschritten werden kann, ohne das die Funktion eingeschränkt würde. So weit so gut.
Nach den ersten Ausfahrten, während denen das neue Gerät einwandfrei funktionierte, fingen die Unzulänglichkeiten an. Die Verbindung zwischen Sender und Empfänger ging häufig verloren und konnte nicht wieder hergestellt werden, häufig auch begleitet durch die Fehlermedung “Too many Signals“. Ich hatte dann zuerst mein GPS-Gerät in Verdacht, das auf dem Lenkern manchmal direkt daneben platziert ist, aber auch ohne das GPS waren Aussetzer zu beobachten. Solche Aussetzer traten irgendwann immer häufiger auf, bis das Gerät irgendwann keine Verbindung mehr mit dem Sender aufnehmen konnte. Ich tauschte auch mal testweise die beiden Batterien aus, ohne Besserung. Da der Rest funktionierte nahm ich einen Exitus des Senders an, der ohne Probleme vom Händler getauscht wurde.
Aber so richtig zuverlässig funktionierte das Gerät zu keinem Zeitpunkt. Ich will den Rest etwas kürzer zusammenfassen: Auch mit dem 2. Sender lief es also nicht rund, irgendwann wurde die Herzfrequenz nicht mehr gemessen. Austausch von Empfänger und Brustgurt durch meinen Händler, dann war kurz Ruhe, die Aussetzer kamen aber zurück. Im Netz konnte man Stellungnahmen von Sigma lesen, es gäbe im Rhein-Main Gebiet einen Störsender, in dessen Umgebung eine einwandfreie Funktion des Tachos nicht möglich wäre. Meine Probleme traten allerdings alle im Raum Karlsruhe auf, eine Störung durch diesen Sender kann ich also ausschließen. Ich habe einen Sender dann auch noch ein 3. mal tauschen lassen, da Aussetzer immer noch an der Tagesordnung waren.
Während dieser ganzen Zeit ist mir öfter schon mal der Kragen geplatzt, auch weil das Teil gerne auch mal über einen längeren Zeitraum komplett den Geist aufgibt und mit keinem Mittel mehr dazu zu bringen ist, wieder etwas anzuzeigen. Nach mehreren Stunden Fahrt ohne ein einziges Lebenszeichen tut’s dann plötzlich wieder, als ob nie was gewesen wäre. In letzter Zeit kam dann noch ein weiteres Fehlverhalten dazu: die Geschwindigkeit während einer Fahrt wird in sehr großen Sprüngen angezeigt, so dass ich ein paar Meter mit 40-50km/h rolle und dann wieder mit nur 5-6km/h, während ich eigentlich mit gleichbleibender Geschwindigkeit unterwegs bin (wie auch das GPS am Lenker belegt). Gerne fällt der Tacho auch genau dann aus, wenn man ihn dringend brauch, wie z.b. nach dem Start zu einem Marathon.
2-3 mal im Jahr investiert man dann in einen kompletten Satz neuer Batterien (die ja unbedingt teure Markenbatterien sein sollen), da oft zu schwache Batterien als Ursache solcher Störungen genannt werden, was bei 4 Knopfzellen rundrum ordentlich ins Geld geht. Alleine für das Geld hätte ich inzwischen schon einen nagelneuen, kabelgebundenen Radcomputer kaufen können. Doch auch so ein Batteriewechsel hat nicht immer Wirkung gezeigt. Zusammengefasst habe ich den 3. Sener, den 2. Empfänger und den 2. Brustgurt und trotzdem ist es einfach immer noch so, dass man nie weiß: “Klappt das heute, oder ist das Ding wieder die ganze Zeit tot?”
Ich finde das Konzept des BC 2006 immer noch prima, da er genau die Infos liefert die man braucht und einfach zu bedienen ist. Ich habe jetzt aber auch keine Lust mehr, das Gerät schon wieder einzuschicken, um mit einem Austauschgerät wieder nur meine Nerven zu strapazieren. Der Tacho ist in meinen Augen einfach eine totale Fehlkonstruktion, bzw. nicht ausgereift und die Kunden Beta-Tester, wofür sie auch noch bezahlen müssen. Sehr schade.
Ich will aber trotzdem erwähnen, dass der Sigma Service immer ein offene Ohr für seine Kunden hat und Anfragen sehr schnell beantwortet werden. Was ich so rauslesen konnte, tauscht Sigma in den meisten Fällen Problemgeräte schnell und unbürokratisch aus (ich bekam auf Nachfrage sogar eine alternative Senderbefestigung kostenlos zugeschickt). In meinem Fall hat die ganze Austauscherei aber leider nicht zum erhofften Ergebnis geführt, ich habe keine Lust mehr darauf. Ich werde deshalb in Zukunft trotzdem einen großen Bogen um Sigma Produkte machen und auch bei Konkurrenzprodukten nur noch in kabel gebundene Systeme Geld investieren.








Juni 18th, 2009 at 11:59
Ich kann diesem Erfahrungsbericht nur voll und ganz zustimmen, in jedem Punkt!! Am meisten ärgere ich mich, wenn ich wirklich auf das Ding angewiesen bin (z.B. Moser-Touren fahren).
Hat jemand einen Tipp für eine zuverlässige Alternative zum BC2006?
Grüße aus Bayern, Melcom
Juni 18th, 2009 at 12:37
Hi Melcom,
ich benutze inzwischen den Polar CS600. Der kostet (in der Sonderedition) zwar etwas mehr als vergleichbare (Sigma-)Produkte, aber er funktioniert einfach völlig problemlos. Das ist mein 5. oder 6. kabelloser Tacho und bisher auch der beste. Seit ich mit dem Ding unterwegs bin (seit ca. 2500km) kein einziger Ausfall.